Tinte im Herz

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„Meinste nicht dass das mit 60 Jahren scheiße aussieht?“
„Warst du im Knast?“
„Gott hat das nicht für uns vorgesehen“
„Das bereust du bestimmt irgendwann“


Das sind eigentlich so die 4 Klassiker, die ich mir bezüglich meiner Tattoos in den letzten Jahren immer und immer wieder anhören darf/muss.
Ist ja immer Ansichtssache.
Auch wenn man denkt, dass Tattoos mittlerweile so normal wie Sand am Strand sind, weit gefehlt.
Es gibt genug Menschen, die damit gar nichts anfangen können (vollkommen legetim) oder Vorurteile haben.
Und ich bin noch nicht mal voll mit Farbe.

Ich habe euch bei Instagram gefragt und einige Fragen gesammelt.
Aber fangen wir erst mal ganz vorne an.
Here we go:

Wie kam ich zu meinem ersten Tattoo und wann habe ich es mir stechen lassen?


Meinen ersten Tattoowunsch hegte ich mit 16 Jahren. Ein Anarchie A sollte es werden.
Meine Jugend war sehr rebellisch, um das milde auszudrücken.
Ich wollte alles so machen, wie ich es, wann ich es will, wo ich es will.
Das A sollte genau das ausdrücken.
Meine Argumentation war wohl nur semi gut.
Meine Blase platzte und ich bekam ein Nein von meinen Eltern.
Zum Glück muss ich dazu sagen.
Denn ich finde mit 16 Jahren kann man absolut noch gar kein Bewusstsein dafür haben.
Heute findet man dies toll, morgen das.
Man ist leichter manipulierbar, möchte dazugehören, sich abgrenzen und imponieren.
Suche dir lieber etwas anderes und probiere dich da aus, aber mach keine komischen Experimente mit Tattoos, wenn du noch nicht volljährig bist.
Mit 17 Jahren hatte ich dann den Wunsch ein Tattoo mit 18 Jahren zu machen.
Es sollte etwas sein was mich beschreibt, verkörpert, aber eben auf meine eigene Art.

Ich muss dazu sagen, dass ich mit Tattoos großgeworden bin.
Überall in meinem Umfeld waren Menschen mit Tattoos.
Es war für mich etwas vollkommen normales Farbe unter der Haut zu haben und ich hatte nie Berührungsängste damit oder gar Vorurteile, es ist für mich einfach so normal wie Wasser nass ist.

Kurz vor meinem 18. Geburtstag machte ich also in einem Tattoostudio meinen ersten Termin.
Den Tätowierer kannte ich schon vorher, war auch so schon einige Male im Studio und bekam dann mit 18 mein erstes Tattoo auf dem Oberarm, welches zwischen 3-4 Stunden gedauert hat.

Tut ein Tattoo weh?

Entweder tut es dir weh oder eben nicht, obwohl man hier auch von den Körperstellen her differenzieren muss.
Mir tut es nicht weh, jemand anderes liegt da mit Tränen in den Augen.
Es gibt eigentlich nur diese zwei Varianten.
Also wenn du generell schmerzempfindlicher bist, dann kann es sein dass du die Zähne zusammenbeißen musst.
Ist aber auch ein anderer Schmerz, wenn du das für etwas machst oder es ein "sinnloser" Schmerz ist.

Wonach suchst du ein Tattoostudio aus? Woran erkennt man ein gutes Studio?


Ich war bisher in drei verschiedenen Studios und in unzähligen als Begleitperson mit.
Vorab: Macht euch nie spontan ein Tattoo!
Egal mit welchen Angeboten sie draußen locken, ein guter Tätowierer muss keine Werbung machen, geschweige denn hat er spontan (außer ein Termin fällt aus) Zeit.
Guter Tätowierer – voller Kalender.
Wenn ihr also ein wenig auf euren Termin warten müsst ist das einfach nur ein gutes Zeichen.
Außerdem würde ich das Studio vorher immer googeln und Bewertungen lesen, fast alle Studios haben eine Facebook Seite und dort kann man sich ein tolles Bild der bisherigen Werke und Kundschaft machen.
Macht euren Termin persönlich im Studio, um euch direkt vor Ort ein Bild machen zu können.
Riecht es nach Desinfektion oder nach Zigarette?
Benutzen die Tätowierer alle Handschuhe?
Wie ist der Gesamteindruck im Laden, eher Hinterzimmer oder Vorzeigezimmer?
Gehen sie zwischendurch ans Telefon mit den Handschuhen an?
Wie lange tätowieren sie schon?
Welche Farben verwenden sie?
Fühlst du dich wohl?
Das sind alles Fragen, die du dir bzw dem Tätowierer stellen solltest, bevor du wiederkommst.
Hast du ein komisches Bauchgefühl, höre unbedingt darauf und suche weiter.

Haben deine Tattoos alle eine Bedeutung? Müssen Tattoos eine Bedeutung haben?


Nein, ich könnte natürlich kann philosophisch in alle etwas reindichten und euch die Story schlecht hin erzählen, aber mein Elvis auf dem Arm z.B ist einfach nur weil ich bereits als kleines Kind Elvis geliebt habe.
Ist auch leider nicht mein Vater auf meinem Arm, was ich nämlich öfter gefragt werde.

Also um die Frage zu beantworten: Nein, nicht alle Tattoos haben bei mir eine tiefere Bedeutung und das finde ich völlig in Ordnung, denn mir geht es bei Tattoos nicht darum, immer irgendeine Message oder Bedeutung zu haben, sondern ich sehe es als Kunst an.
Und Kunst ist manchmal einfach nur schön, lustig, gruselig or what else.

Allerdings sind keine meiner Tattoos Spontanideen gewesen, sondern alle erstmal länger gewünscht und dann umgesetzt.
Wer sich also was stechen lässt und ob das alles einen tiefen Sinn haben muss, muss jeder für sich entscheiden.
Wie bei allen anderen Dingen auch: DU musst damit glücklich sein.

Möchtest du noch mehr Tattoos haben?



Haha. Ja, tatsächlich möchte ich irgendwann mal voll sein.
Gesicht möchte ich nicht, aber ansonsten habe ich schon allerhand Wünsche und Ideen.
Zwei Schwangerschaften/Stillzeiten kamen nur "dazwischen", aber ab nächstes Jahr geht es dann nach und nach weiter und ich freue mich jetzt schon wie ein kleines Einhorn.

Bereust du eins deiner Tattoos? Denkst du nicht, dass es mit Falten scheiße aussehen wird?



Nein, ich bereue keins.
Ich habe sie nun schon einige Jahre und finde eher schade, dass es noch so wenig sind.
Das Argument mit den Falten und ob man keine Angst hat dass das später nicht gut aussehen wird…
Ich frage mich da eher ob es nicht gut aussieht, wenn man sich immer nur gefragt hat wie irgendwas für irgendwen aussieht und ob man diese Einstellung irgendwann den Menschen ansieht?
Du, Wir, Ich haben nur dieses eine Leben.
Möchte es jeder so gestalten wie er will.
Ich sage stets dass mein Elvis mit mir altert und auch irgendwann Falten hat.
Es ist einfach der Lauf der Dinge.

Würdest du deinen Kindern ein Tattoo unter 18 Jahren erlauben?



Definitiv würden sie von mir keine Unterschrift dafür bekommen.
Auch mit 18 Jahren haben viele noch nicht das Bewusstsein dafür, aber dann gehört es zu ihren eigenen Erfahrungen, die sie machen müssen.

Arbeit mit Tattoos?



Das war tatsächlich eine der häufigsten Fragen von euch.
Ich muss dazu sagen, dass die meisten Menschen, die ich kenne, die wirklich mehr als einen Schmetterling am Knöchel haben, in Berufen arbeiten in denen sie entweder Selbstständig sind oder es egal ist.

Tattoos verkörpern halt auch einen gewissen Lebensstil, der sich eben nicht unbedingt an bestimmte gesellschaftliche Werte hält.
Die Leute, die ich schon kennengelernt habe sind fast alle solche, die ihr Ding machen.
Natürlich gibt es auch den Anwalt, der unter seinem Hemd zutätowiert ist. Selbst schon erlebt.
In der Woche Anzug und Krawatte, am Wochenende Bandshirts und überall Totenköpfe.
Fand ich immer positiv skurril.
Wenn das so manch konservativer Klient wüsste...
Aber das ist wieder das Thema mit den Vorurteilen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es zwar immer mehr Menschen mit Tattoos gibt, es aber immer noch viele Berufsgruppen gibt, in denen es nicht gern gesehen oder gar nicht erlaubt ist.
Wenn du trotzdem unbedingt eins möchtest, dann lass es dir einfach an eine Stelle machen, die sich gut bedecken lässt.

Wie verhält sich ein Tattoo am Bauch bei einer Schwangerschaft?


Ich habe einen Revolver in der Leiste, der nun schon zweimal auf die dreifache Melonengröße gedehnt wurde und in der zweiten Schwangerschaft auch 2 Dehnstreifen abbekommen hat.
Sieht er anders aus als damals?
Ja.
Stört es mich?
Nein.
Denn so eine Schwangerschaft verändert den Körper in so vielen Bereichen.
Das kann man annehmen oder sein Leben lang einem 18 Jährigen Ich hinterhertrauern.
Mein Körper erzählt eine Geschichte, meine Geschichte. Da gehört die Narbe genauso dazu, wie ein Tattoo das sich verändert hat.

Wie gehst du mit Vorurteilen um, welche kennst du bzw hast du schon gehört?



Vorurteile von anderen resultieren meist nur aus Unwissen oder wenn jemand nicht in der Lage ist seinen eigenen Horizont zu erweitern und andere Lebens- und Denkweisen zuzulassen.
Man selber kann Tattoos nicht schön finden, kann andere damit aber trotzdem wunderbar leben lassen.

Die Liste der Sprüche ist schier endlos, manche sind mit einem Augenzwinkern zu betrachten, andere hingegen fand ich echt ganz schön fies.
Also nein ich denke nicht dass ich aus der Hölle komme, dass der Teufel in mir ist.
Ich war nicht im Knast, stehe nicht auf Schmerzen und bin deswegen auch keine schlechte Mutter.
Drüberstehen ist die Devise.
Das bezieht sich nur auf Tattoos.
Die Leute reden heute über dich, morgen über den und übermorgen über wen anderes.

Zusammenfassend kann ich also sagen:
Leb dein Leben so wie du es möchtest, liebe wen du willst, tanz, wann du es möchtest und tätowiere dir etwas, wenn du möchtest.
Am Ende unserer Tage sollte es mehr „war gut so“ geben und nicht „hätte ich doch…“.

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