Dont eat yellow snow|Anzeige

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5. Oktober 2018

Ich schlief die Nacht schlecht, die Aufregung drückte gegen die Brust und lies mich schwer atmen.
Unser erster Urlaub zu viert, unsere Alltagsauszeit nach sehr langer und anstrengender Zeit.
Wir konnten es kaum erwarten einfach nur wir vier zu sein, ohne Schreibtisch, dauerndes Handyklingeln und Termine.
Unser magisches Ziel, um die Zeit zu vergessen: Ruhpolding.


Feinstes Oberbayern in den Chiemgauer Alpen mit weniger als 7000 Einwohnern.

Muck, der in seinem Leben genau einmal Schnee gesehen, gefühlt und gegessen hat und dabei auch noch so Mini war, dass nur wir uns noch daran erinnern, wünschte sich natürlich einmal in seinem Leben Schlitten fahren zu können. So viel vorab: Sein Wunsch ging in Erfüllung.
Im schönen Friesland haben wir zwar direkt das Meer, aber ansonsten ist das Land hier einfach platt und weit, von Bergen oder nur etwas, das höher ist als der Deich: Keine Spur.
Uns erwartete also ein richtiges Kontrastprogramm.
Wir hatten Schnee- und Wanderdurst und einen ziemlich vollen Kofferraum sag ich euch.
Minimalistisches Packen ist nicht gerade meine Stärke, um das mal nett auszudrücken.

Die 10 Stunden Fahrt klappte überraschenderweise super mit den beiden Kindern.
Technischen Hilfsmitteln, Bibi&Tina und Essen für eine ganze Hochzeit im Gepäck sei Dank.
Wir kamen im Dunkeln an und haben daher erst gar nicht richtig gesehen, an was für Monsterbergern wir bereits vorbeigefahren sind.
Zur Erinnerung: Die Dünen und Deiche sind hier das Höchste :D.

Wir haben in einer süßen Holzhütte eingecheckt, mit Kamin, großer Wohnlandschaft und Etagenbett für Muck.
Da wir direkt morgens Ruhpolding erkunden wollten, unser Appartement aber erst am späten Nachmittag frei war, entschieden wir uns einfach für eine extra Nacht in einem süßen Holzhaus.

Wir lagen im Bett und hörten den Regen aufs Dach prasseln. Bei rhythmischen Klängen schlief ich irgendwann ein und wurde in der nächsten Stillpause wieder wach. Draußen absolute Stille, nur ein sanfter klarer Duft, der durchs Fenster zog.
Der Wecker klingelte früh.
Wir hieften uns aus den Betten und wurden direkt mit dem schönsten Anblick belohnt. Es hat tatsächlich die Nacht geschneit und vor uns türmte sich ein Anblick auf, der uns inne halten lies.
Und wir standen einfach nur da und liebten.
Schnee, das ist wirklich das zärtlichste was die Natur geschaffen hat.

Wir machten uns fertig, schnackten noch eine Runde mit dem Besitzer einige Insider ab und machten uns auf in Richtung Ruhpolding.
Völlig geflasht vom ganzen Schnee und dieser Wucht von Bergen riefen wir erst einmal sämtliche Leute via FaceTime an und mussten den Moment mit unseren Liebsten teilen.
Da standen wir also mit unseren roten Nasen und grinsten in die Kamera.
Die Freude war auf beiden Seiten einfach riesig.

Da unser Appartement erst ab nachmittags verfügbar war, beschlossen wir einfach mal drauf los zu fahren und ein wenig spazieren zu gehen.
Schauen, wo es uns hintreibt.
Wir landeten im Drei-Seen-Gebiet und stapften durch den Schnee in einen Wald hinein. Unter unseren Füßen knirschte es und das war ein Geräusch, welches ich seit meiner Kindheit nicht mehr gehört hatte.
Einfach nur wundervoll.
Wir kamen an einem Wasserfall vorbei, hatten eine Schneeballschlacht und ein grinsendes Wölfchen in der Kraxe auf dem Rücken.
Schneller als wir gucken konnten wurde es plötzlich sehr, sehr dunkel.
Ein Bärenarsch ist nichts dagegen. Ich bin froh dass wir eine Taschenlampe mit hatten.

Wir fuhren zu unserem Appartement, mitten zwischen den Bergen und nur einen Katzensprung von der Ruhpolder Innenstadt entfernt.

Es war riesig, hatte ein Baby Bett und Kinderhochstuhl, eine große Küche, eine freistehende Badewanne, 2 Bäder und für mich (neben der mega Aussicht) das Beste: jeden Morgen frische und selbstgemachte Brötchen.
Yummi!

Zur Buchung dazu gibt’s kostenlos die Chiemgau Karte, die in Ruhpolding und Inzell zählt.
Also auf euren Sahnetorten Urlaub kriegt ihr noch kostenlos die Kirsche draufgesetzt. Kostenlos.
Allein auf dem passenden Flyer, den wir dazu hatten zähle ich 34 Angebote, die kostenfreien Spaß garantieren: Skilifte, Sessellift, Museen, Tennispark, Wellness Schwimmbad, Sauna, Fahrradverleih, Rauschbergbahn und die Rossfeld-Panoramastraße sind nur ein Bruchteil dessen.
Die Chiemgau Karten sind personalisiert und ermöglichen euch außerdem kostenloses Parken und kostenloses Bus fahren in der Umgebung.
Und bevor ich es vergesse: Überall in Ruhpolding gibt es gratis WLAN. Hust, Hust. Ist ja auch nicht ganz unwichtig.

Den Abend ließen wir entspannt in der Stadt bei Glühwein und Kinderpunsch ausklingen und hatten strahlende Augen bei der wunderschönen Weihnachtsdekoration in der ganzen Stadt.
Alles glänzte und glitzerte.

Am Nächsten Tag stand Schlitten fahren an. Muck wünschte es sich seit Ewigkeiten und endlich gab es die Möglichkeit.
Mit der Chiemgau Karte fuhren wir also nach Inzell und konnten uns kostenlos Schlitten ausleihen und ganze 600 Meter den Abhang runtersausen.
Und das Beste, neben Mucks Grinsen: wir waren einfach die Einzigen.
Die Saison beginnt wohl immer erst kurz vor Weihnachten und wir waren die einzigen Touris.
Danach ging es vorbei an tausenden von Eiszapfen, die an den Bergwänden der Straßen hangen, vorbei am Königsee und dann weiter nach Österreich.
Genauer gesagt auf den Christkindlmarkt in Salzburg.
Keine Stunde weg und Wow. Mir blieb die Spucke weg, denn so einen schönen, klassischen Markt habe ich noch nie gesehen.
Currywurst und Saufstände suchst du hier vergeblich, stattdessen unheimlich viel Handwerk, selbstgemachtes, weihnachtliche Düfte, Schlittschuhe Fahren und eine Weihnachtsgeschichte, die durch die Lautsprecher ertönte.
Für mich gab es meinen geliebten Kinderpunsch, ohne den verlasse ich nämlich keinen Weihnachtsmarkt.
Schneller als wir gucken konnten war auch der Tag wieder rum und wir fielen glücklich und kaputt ins Bettchen.

Ein neuer Tag, ein neues Programm.
Unter anderem wollten wir zur Rossfeld-Panoramastraße.
Mitten zwischen Deutschland und Österreich, auf über 1600 Meter über Normalhöhennull erstreckt sich ein atemberaubendes Bild.
Wir standen also da und haben vom Berg gerufen, das tat so gut.
Das Echo kam uns mit Liebe zurück ins Gesicht.
Einfach mal die Sorgen ein wenig abschütteln und im Moment leben.

Mit der Chiemgau Karte war die Maut übrigens auch wieder für lau.
Abends ging es noch ins Vita Alpina. Ich persönlich bin nicht so die Wasserratte, aber die Liegestühle waren sehr bequem :D Spaß beiseite, die Kinder und auch der Wolf hatten Spaß im Wellenbad, Sauna und in der kleinen Babylandschaft.
Auch hier wieder, ihr dürft raten… Genau: kostenlos.

Am nächsten Tag ging es Richtung Berchtesgaden, vorbei am Watzmann, Windbeutel essen und erneut auf die Panoramastraße.
Denn der Himmel strahlte blau und die Sonne kitzelte in der Nase.
Wir dachten den Tag zuvor bereits schon was für ein krasser Ausblick das sei und wurden direkt eines besseren belehrt: Es geht einfach noch krasser.
Wir konnten so weit gucken, waren über den Wolken und der Schnee glitzerte schöner als jeder Highlighter.
Und fragt mich nicht wie es möglich ist, aber auf 1600 Meter hatte ich LTE und rief erst einmal via FaceTime die Familie an, um sie irgendwie daran teilhaben zu lassen.
Auch spannend dass ich manchmal in meinem zu Hause kein Internet habe, aber über den Wolken, da geht’s.

Danach fuhren wir was Essen und später noch zur Schlittschuh Halle in Ruhpolding.
Ich bin früher so gern Schlittschuhe gefahren, konnte mich sogar drehen und rückwärts fahren.
Siehe da, ich sah jetzt nicht aus wie Elsa die Eiskönigin, aber manches verlernt man nicht und ich schlug mich ganz gut auf dem Eis.
Danach wollten die Jungs nochmal ins Vita Alpina. Ich suchte mir also wieder einen Liegestuhl aus.

Die Kinder und ich fielen dann ziemlich kaputt ins Bett und der Wolf fuhr noch nach Inzell in die Saunlandschaft, die ebenfalls in der Karte drin ist.

Neuer Tag, neue Abenteuer.
Die Hose saß bereits lockerer und ich erinnerte mich blass daran dass Bewegung mir ganz gut tut und ich dies daheim unbedingt wieder mehr in den Alltag integrieren wollte.
Ab heute sollte der 1425 Meter hohe Unternberg geöffnet haben und da das eh auf unserer Liste stand ging es nun nach Ruhpolding zum Sessellift.
Ich riss im Auto noch groß meine Klappe auf, dass ich null Angst hätte.
Als ich dann davor stand und sah dass der Lift irgendwo in der Wolkendecke verschwand, dachte ich mir nur „Scheiße Toni, wie kommst du aus der Nummer wieder raus?“.
Mit einem Stuhl ins Nichts fahren, kann man ja mal machen.
Ohne die Chiemgau Karte sind die Preise nicht ganz ohne, wären bei fast 40€ gewesen, wenn wir hoch und wieder runter gewollt hätten.

Muck und ich saßen also zusammen auf einem und hinter uns der Wolf und das Wölfchen auf einem anderen.
Es war arschkalt und durch das Sitzen ohne Bewegung wusste ich schnell nicht mehr ob ich noch einen Fuß habe oder ob er schon abgefallen ist.
Muck hatte erstaunlicher Weise gar keine Angst, ich hingegen habe mich kaum getraut mich umzudrehen.
Ich tat es dann, nachdem wir durch die Wolken gefahren sind doch und sah so eine faszinierende Landschaft.
Eben war noch alles grau, nun über den Wolken strahlend blau und die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite.
Oben angekommen waren wir mächtig stolz und checkten erst einmal ob unsere Füße noch da sind.
In der kleinen Hütte habe ich den besten Kaiserschmarrn meines Lebens gegessen und saßen mit anderen Ski Leuten mit am Tisch.
Durchweg alles sympathische Menschen gewesen. Woher der Ruf kommt dass die Leute eher für sich sind, keine Ahnung. Wir begegneten nur offenen und herzlichen Menschen.
Aus Gründen beschlossen wir nicht wieder runter zu fahren ( :D) , sondern runter zu wandern. 1425 Meter hochgefahren und im Slalom zu Fuß wieder hinab.
Gute 5 oder 6 km waren das.
Bewegung kam an diesem Tag also nicht zu kurz.

Bereits die dritte Nachricht via Direkt trudelte schon in mein Postfach ein, ob ich heute Abend denn auch beim Jubiläumslauf der Krampusse sein werde.
Kurz gegoogelt, für gut befunden und flott in die Innenstadt von Ruhpolding gefahren.
Ich hatte ehrlich gesagt keine richtige Vorstellung davon was mich erwartete, da ich den Brauch nicht kannte und ziemlich naiv dachte dass dort 100 Menschen sind und irgendwas feiern.
Haha.
Im sonst so beschaulichen Ruhpolding fanden wir erst gar keinen Parkplatz mehr, so voll war es.
So viele Menschen, die entlang der Zäune standen.
Ich hörte Glocken und Schreie und sah dann den ersten Krampuss.
Eine teufelsähnliche Gestalt, die entlang der Abzäunung ging und die Kinder vorne erschreckte.
Ich hielt Muck erstmal im Hintergrund, weil ich abcheckten wollte wie er reagiert. Und?
Er fand es mega lustig und stand dann in der ersten Reihe und schaute alle 350 Krampusse an. Einer gruseliger als der andere.
Dazu lief laut Motörhead und andere Rock Musik.
Das war wirklich beeindruckend und auch jetzt, wo ich die Zeilen schreibe, muss ich wieder lächeln.
Das Wölfchen hat fast alles in der Trage verpennt und lies sich sogar direkt ins Bett verfrachten.
Zum ersten Mal nutzte ich im Appartement die Küche und machte mir meine geliebten Back Camemberts.
Der Tag war einfach wundervoll.
Kennt ihr das, wenn ihr abends geschafft und glücklich dasitzt und euch auch nichts mehr zu erzählen habt, weil der Kopf sich erstmal selber sortieren muss?
Nachdem ich mit dem Kopf fast auf dem Tisch eingepennt bin, legte ich mich dann ins Bett und freute mich auf den nächsten Tag.

Es gab die besten Brötchen, fett Schokocreme und auf dem heutigen Tagesplan stand: Rumtrödeln und einheimische Lebensmittel kaufen, die es hier bei uns nicht gab.
Ich hatte mittlerweile Muskelkater an Stellen, die ich bis dahin nicht kannte.

Der Wolf kaufte einiges an Bier für Freunde und Familie, ich Bonbons und Aufstriche.
Wir gingen was leckeres im Hotel zur Post in Ruhpolding essen, standen hier rum, tranken da was, machten einen Abstecher ins Heimatmuseum (ebenfalls für lau) und haben den letzten Tag einfach herrlich entspannt verbracht.

Die Rückfahrt war nicht weniger lang, aber doch entspannter.
Kurzer Stopp in Nürnberg.
Nächster Stopp dann bei der Familie, eine Nacht dort schlafen, an- und runterkommen.
Die Erlebnisse sacken lassen.
Den nächsten Tag haben wir dann ebenfalls mit der Familie verbracht und fuhren am frühen Abend dann zurück nach Friesland.
Irgendwie war es verrückt, das eh schon flache Land kam mir noch flacher vor.

Daheim angekommen packten wir nichts aus, sondern setzten uns auf die Couch und haben die letzte Woche Revue passieren lassen.
Unser erster Urlaub zu viert und das ganz stressfrei.
Wölfchens Alter ist so wundervoll, ab hinten auf den Rücken und du kannst alles machen.
Muck hingegen ist da ja eher in der „Wie lange noch/ich muss mal/ich habe Hunger“- Phase, aber auch er hatte so viel Spaß und sein Traum vom Schnee ging in Erfüllung. Da klopft das Elternherz nochmal mehr.

Ruhpolding und Inzell haben unser Herz erobert und ich bin unheimlich dankbar für diesen Urlaub und freue mich dass ich einige Momente in mein Marmeladenglas geben konnte.

Eure Toni

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