Aushilfskraft Vater

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Er hat heute sogar die Windel gewechselt, sagte eine Freundin neulich zu mir.



Und nun frage ich mich innerlich, ob man ihm dafür einen Pokal überreichen soll?
Sollte das nicht eigentlich so normal sein, dass es gar keiner Wörter bedarf?
Sind wir immer noch an dem Punkt, an dem sich Männer das nicht zutrauen, es weich wirkt oder trauen wir ihnen vielleicht einfach nur zu wenig zu?
Können wir nicht genug vertrauen, loslassen oder sind wir zu stolz, um uns einzugestehen dass Väter viel mehr können, als MAL die Windel zu wechseln, als MAL mit den Kindern um den Block zu gehen oder MAL nachts den Schnuller zurückzugeben.

Diese ganzen “Mals“ werden dann hoch gelobt, aber wird überhaupt genug Raum geschaffen, damit aus "Mal" "Normal" wird?
Oder hat es sich von Geburt an so eingeschlichen, dass die Frau alles macht und der Mann es (gar nicht böse) als normal ansieht?
Ist die Aufteilung "Mann geht arbeiten", "Frau schmeißt den Rest & geht irgendwann wieder arbeiten" vielleicht immer noch so weit verbreitet weil wir Frauen zu wenig zutrauen und nicht weil alle Männer so faul oder Arschlöcher sind oder nach Feierabend nur noch ihre Füße hochlegen wollen?

Ich versuche die ganze Sache mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es so viele Väter da draußen gibt, die mit ihrer Aushilfskraft als Vater happy sind.
Ich glaube, es gibt viel mehr Männer bzw. Väter, die den Vollzeitjob Vater gut meistern würden, wir es ihnen aber einfach (unterbewusst?) nicht zutrauen.

Auf vielen hohen Posten sind mittlerweile auch Frauen vertreten, Frauen kämpfen für ihre Rechte, sie dürfen Wählen, sie dürfen tragen was sie wollen und sie haben „Das Handbuch für die gute Ehefrau“ aus den 50ern nicht mehr auf dem Nachtschrank liegen.

Hier mal ein paar Beispielausschnitte aus dem Handbuch:

 
„Machen Sie die Kinder schick.
Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um ihre Hände und Gesichter zu waschen (wenn sie noch klein sind).
Kämmen Sie ihr Haar und wechseln Sie ggf. ihre Kleidung.
Die Kinder sind ihre "kleinen Schätze" und so möchte er sie auch erleben.
Vermeiden Sie jeden Lärm.
Wenn er nach Hause kommt, schalten Sie Spülmaschine, Trockner und Staubsauger aus.
Ermahnen Sie die Kinder, leise zu sein“.
„Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten“.
„Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat.
Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit.
Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen.
Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen“.

„Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist“.

Das Handbuch für die gute Ehefrau

Die Bilder und Rollen haben sich seitdem geändert.
Viel mehr Gleichberechtigung.
Oft kommen nun beide erschöpft von der Arbeit heim, sammeln unterwegs noch die Kinder ein, sie geht dann noch einkaufen und daheim wartet der ganze Haushalt, der nicht von allein verschwindet, es sei denn man macht das Licht aus und trotzdem sind es oft die Frauen, die dann das Essen machen, noch die Wäsche falten, die Hausaufgaben kontrollieren oder die Kinder ins Bett bringen.

Die Vorstellung daheim bei den Kindern zu bleiben und sich ausschließlich darum zu kümmern, ist für viele Frauen immer noch eine romantische Vorstellung, ein Wunsch und wäre auch vollkommen befriedigend.
Auch wenn das die wenigsten öffentlich zugeben würden, weil ohwei ohwei „man darf sich nicht von einem Mann abhängig machen“.
Die Realität braucht aber meist zwei Gehälter, um genügend Essen in den Kühlschrank zu bekommen.
Und so sind einfach viele Frauen gezwungen nach einem Jahr, Kinder, Haushalt und Arbeit unter den viel zu kleinen Hut zu bekommen.

Da interessiert leider oft nicht mehr der eigentliche Wunsch, sondern man wird gezwungen wieder ins Hamsterrad zu steigen und brav weiterzulaufen.
Und ich rede hier übrigens nicht davon wieder arbeiten gehen zu müssen, damit der Jahresurlaub nicht ausfällt oder weil man sich gern monatlich die Wimpern machen lässt, sondern von Grundbedürfnissen wie Nahrung, Wärme und einem Dach über dem Kopf, welches auch in Deutschland oft nicht mehr erschwinglich ist.

Da der Trend also dahin geht, dass Frauen auch nach einem Jahr wieder arbeiten gehen (müssen), gleichzeitig aber immer gesagt wird, dass Mutter und Kind zusammengehören, das Kind die Mutter 24/7 braucht, um später ein glückliches Beziehungs, Arbeits, Sexual oder whatever Leben zu haben, wird was..?
Genau!

Druck aufgebaut.

Auf der einen Seite wird totale Isolierung geschaffen, indem nur Mutter und Kind zusammenkleben sollen, damit die Bindung bis zum Mond und zurück geht, auf der anderen Seite ist das fast gar nicht mehr möglich und viele vergessen auch, dass es früher zwar oft nicht die helfende Hand vom Mann gab, dafür aber von Nachbarn, der Oma und Tanten.

Da hat im Wochenbett nicht der Lieferdienst was gebracht, sondern die Nachbarin hat dir ein Süppchen mitgekocht.
Denn allein kann man das gar nicht schaffen, ohne irgendwann schreiend im Kreis zu rennen.
Eine gute Mutter ist heute aber vollkommen gleichberechtigt, emanzipiert, selbstbewusst, voller Energie, kümmert sich aufopferungsvoll um Kind und Haushalt und soll/muss aber auch Geld in die Kasse bringen.
Das passt einfach in den meisten Fällen nicht zusammen und der Sieger dabei sind einfach nur miese Gefühle, wie Zweifel und Versagensängste.
Man kann einfach nicht einen Elefanten auf eine Maus stellen und erwarten dass die Maus das geschaukelt kriegen muss.
Und so drücken sich Frauen also genau genommen wieder in eine Rolle rein, in der sie die Kinder hüten, das bisschen Haushalt machen und dazu noch arbeiten gehen oder werden reingedrückt, weil sie gar keine Wahl haben.
Mütter haben wohl mehr als 24 Stunden am Tag und oft beschleicht mich das Gefühl, dass durch diesen ganzen Druck, Hilfe annehmen oder gar Aufgaben abgeben nicht drin ist.
Etwas mit versagen zu tun hat.
Eine Mutter hat zu funktionieren, scheiß egal ob ihr der Arm abgefallen ist!
Und dass, wenn man sich als Mutter ganz bewusst Zeit einräumt für sich, eine Auszeit nimmt und wenn es nur mal ein Konzertabend ist, dass das immer als etwas Besonderes dargestellt wird, während der Vater dies sogar ohne große Ankündigung einfach so machen kann.
Es werden Unterschiede gemacht und dabei sollte es völlig wumpe sein, wer wie viel Stunden arbeitet, Eltern sind beide zu gleichen Teilen.

Es ist alles so widersprüchlich, dass es bis zum Himmel stinkt.
Und aus diesen Gefühlen heraus trauen sich viele Frauen vielleicht einfach nicht den Mund aufzumachen, aus Stolz oder Angst zu sagen dass sie die Rolle überfordert, dass sie Hilfe brauchen, eine Auszeit und dass der Mann zwar immer angemault wird „Du könntest dich mal wirklich mehr einbringen“, aber bei genauer Betrachtung ihm das aber gar nicht zugetraut wird, indem man ihn wie ein kleines Baby lobt, wenn er mal den Müll rausgebracht hat.
+ Das sollte selbstverständlich sein.
Was fehlt ist eine klare und ehrliche Kommunikation!
Ein Fundament, auf dem gesehen wird was die Mutter leistet, aber auch was der Vater leistet.
Gegenseitige Wertschätzung.
Er geht nicht nur arbeiten.
Sie macht nicht nur die Kinder.
Kommunikation ist hier das A und O.
Wenn wir unseren Mund nicht aufmachen und unseren Männern alles hinterherräumen, sie nicht einbinden, ihnen ver- und zutrauen und unsere Auszeiten einfordern, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn nichts dergleichen geschieht.
Wenn wir dann tatsächlich irgendwann schreiend im Kreis rennen.
Heimlich natürlich.
Weil Mutti ja eigentlich so powerful ist.

Es gibt kein so und so ist es richtig, weil jedes Familienmodell unterschiedlich ist, aber es immer wichtig und richtig zu reflektieren.
Natürlich erscheint es oft einfacher, einfach alles selber zu machen, weil es dann eben genau so passiert wie man es sich vorstellt, weil dann in den Ecken gesaugt ist und jede Schale aus dem Geschirrspüler auch genau da ist, wo du meinst dass sie sein soll, aber der Sinn einer Partnerschaft sollte ein Miteinander sein und das ist nichts was du dir in irgendeiner App herunterladen kannst, sondern was nur durch Erfahrung und Kommunikation entstehen kann.
Ich hätte als Mann auch kein Bock zu saugen, wenn ich eh immer „falsch sauge“.
Die Schuld also nur bei Männern zu suchen, die mal die Kinder ins Bett bringen oder mal die Wäsche bügeln, ist nicht angebracht.
Viele Frauen tragen genauso viel dazu bei und deswegen müssten beide etwas ändern.
Wichtig ist sich (vielleicht abends?) zusammen zu setzen, wenn kein Kind mehr wach ist.
Sich bewusst Zeit zu nehmen für dieses Gespräch und klar zu kommunizieren was die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und auch Grenzen sind.
Du möchtest einmal im Monat ausgehen?
Ihr werdet gemeinsam eine Lösung finden.

Schafft klare Regeln, Strukturen, in denen beide gesehen werden, denn Mutter sein ist ein VollzeitjobVater sein aber auch.

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